Bildquelle:it.wikipedia.org/wiki/Ignazio_Silone#/media/File:Silone.JPG


François Bondy war ein Schweizer Essayist, Literaturkritiker und Journalist jüdischer Abstammung. Seit 1975 war er Redakteur der „Schweizer Monatshefte“. Später schrieb er für „Die Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Die Welt“, „New York Times“ und „NZZ“.

Er veröffentlichte 1988 das Buch „Pfade der Neugier: Portraits“. Darin beschrieb und zitierte er sechs Personen. Unter anderem berichtete er über seine Begegnung mit dem italienischen Schriftsteller Ignazio Silone (Geburtsname: Secondino Tranquilli) im Oktober 1944.

Ignazio Silone war Mitglied der kommunistischen Partei Italiens. Vor kurzer Zeit öffentlich gemachte Akten des amerikanischen Geheimdienstes OSS (Office of Strategic Services) aus dem Zweiten Weltkrieg, zeigen Silone als unerbittlichen Gegner von Benito Amilcare Andrea Mussolini.
Mussolini stand 1925-1943 als Duce del Fascismo („Führer des Faschismus“) und Capo del Governo („Chef der Regierung“) an der Spitze der italienischen Regierung.
Ignazio Silone wirkte von 1942 bis 1944 von seinem Schweizer Exil aus in enger Zusammenarbeit mit den Amerikanern auf Mussolinis Sturz hin.

François Bondy berichtet, dass er Silone in Genf „am Tag, an dem er aus dem Exil nach Italien zurückkehrte“ getroffen habe. Das muss ein Tag im Oktober 1944 gewesen sein.

Bildquelle:Kopie Richard Taube

In seinem Buch „Pfade der Neugier: Portraits“ befindet sich auf Seite 84 das bekannte Zitat.

«Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›.

Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.»

Viele Jahre später, als «Antifaschismus» in der Tat instrumentalisiert wurde und zu einem Slogan herunterkam, verstand ich, daß dieses kaustische Aperçu prophetisch war.

Anmerkung: kaustische Aperçu kann verstanden werden als spöttisch-geistreiche Bemerkung.


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