Bild:Buchumschlag Zbigniew Brzezinski The Grand Chessboard


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Der amerikanische Politikwissenschaftler Zbigniew Kazimierz Brzezinski stellt in seinem Buch „The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives“ die Frage nach den künftigen weltpolitischen Entwicklungen zum Ende der kommunistischen Sowjetunion.

Zbigniew Brzezinski ist Barack Obamas außenpolitischer Berater. Brzezenski war der Nationale Sicherheitsberater Präsident Carters von 1977 bis 1981. Im Jahr 1988 förderte er George H. W. Bush zum Präsidenten und war Vize-Vorsitzender in George H. W. Bush nationaler Sicherheits-Beratungs–Sondergruppe.
Er war von 1966 bis 1968 Berater von Lyndon B. Johnson und von 1977 bis 1981 Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter. Er gilt auch als der wichtigste außenpolitische Berater von Barack Obama.
Von 1987 bis 1989 fungierte er auch im Vorstand von George H. W. Bush’s Auswärtigem Nachrichtendienst. Clintons Außenministerin, Madeleine Albright, war eine Schülerin Brzezinskis. George W. Bush Ex-Aussenministerin, Condoleeza Rice (ebenfalls eine ehemalige Nationale Sicherheitsberaterin), die unter dem Vater Albrights studierte, teilt mit Brzezinski und Albright viele der gleichen Welt-Regierungs-Ansichten.
Im April 1997 schrieb er in der Einleitung zu seinem Buch klar und deutlich, um was es geht:
„Amerikanische Politik sollte letzten Endes von der Vision einer besseren Welt getragen sein: der Vision, im Einklang mit langfristigen Trends sowie den fundamentalen Interessen der Menschheit eine auf wirksame Zusammenarbeit beruhende Weltgemeinschaft zu gestalten. Aber bis es soweit ist, lautet das Gebot, keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen und damit auch für Amerika eine Bedrohung darstellen könnte. Ziel dieses Buches ist es deshalb, im Hinblick auf Eurasien eine umfassende und in sich geschlossene Geostrategie zu entwerfen.“

Erklärend führt er betreffend Eurasien aus:
„… Als Ganzes genommen stellt das Machtpotential dieses Kontinents das der USA weit in den Schatten. Zum Glück für Amerika ist Eurasien zu groß, um eine politische Einheit zu bilden.“

Anmerkung: Er ist halt ein Amerikaner. Ein deutscher Geostratege würde das sicher anders sehen. Wobei zu bezweifeln wäre, dass es intelligente deutsche Geostrategen gibt.

„Eurasien ist mithin das Schachbrett, auf dem der Kampf um globale Vorherrschaft auch in Zukunft ausgetragen wird. Obzwar man Geostrategie – den strategischen Umgang mit geopolitischen Interessen – mit Schach vergleichen kann, tummeln sich auf diesem Schachbrett nicht nur zwei, sondern mehrere, unterschiedlich starke Spieler.“

Bildquelle: Seite 34 Zbigniew Brzezinski The Grand Chessboard

Letztlich ist eine kommunistische Diktatur deutlich schwächer als nationale oder religiöse Bestrebungen.
Das Ende des Sowjetsystems durch das Scheitern der kommunistischen Ideologie kam schnell.
Im Dezember 1991 erklärten die Oberhäupter der russischen, ukrainischen und weißrussischen Republik die Sowjetunion für aufgelöst.

Das Versagen des kommunistischen Experiments führte zu einem ungeheuren geopolitischen Durcheinander.
Die Region südlich von Rußland (=der eurasische Balkan) droht ein Hexenkessel ethnischer Konflikte und Großmacht-Rivalitäten zu werden.
Dazu Brzezinski:“Der Verlust des Kaukasus gab den strategischen Ängsten vor einem wiederauflebenden türkischen Einfluß neue Nahrung, die Abspaltung Zentralasiens erzeugte angesichts der dort vorhandenen enormen Energiequellen und Bodenschätze ein Gefühl der Deprivation (=Der Begriff bezeichnet allgemein den Zustand der Entbehrung, des Entzuges, des Verlustes oder der Isolation von etwas Vertrautem sowie das Gefühl einer Benachteiligung.) und schürte Ängste vor einer potentiellen islamistischen Bedrohung, und die Unabhängigkeit der Ukraine stellte den russischen Anspruch, der von Gott auserkorene Bannerträger einer gemeinsamen panslawischen Identität zu sein, geradezu im Kern in Frage.“

Bildquelle:google.com/maps/@39.9268252,70.3643461,4z
Grüne Ländernamen sind islamistische Länder.

Der eurasische Balkan besteht aus neun Ländern (Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Armenien, Georgien) auf die die Beschreibung „ethnischer Hexenkessel“ mehr oder weniger zutrifft. Dazu kommen zwei Länder (Türkei und Iran) die wichtige geostrategische Akteure der Region sind, aber zugleich auch für ethnische Konflikte anfällig. Käme es zur Destabilisierung der Türkei oder des Iran oder gar beider Länder, wären die internen Probleme der Region nicht mehr zu steuern.
FETT:Beide Länder (die Türkei mit überwiegend sunnitischer und der Iran mit überwiegend schiitischer Bevölkerung) sind geopolitische Dreh- und Angelpunkte, aber auch in ihrer Orientierung unberechenbar.

Der eurasische Balkan ist ein ethnisches Mosaik, da sowjetische Kartographen willkürlich die Grenzen der damals formal gegründeten Sowjetrepubliken zogen. Der Kreml hatte nur das Interesse, dass sich keine Volksruppen zusammen schließen und gegen die Zentralgewalt aufbegehren.

Bildquelle: Seite 53 Zbigniew Brzezinski The Grand Chessboard

In seinen Schlussfolgerungen stellte Brzezinski fest, dass in absehbarer Zeit die einzig reale Alternative zur globalen amerikanischen Führungsrolle nur die internationale Anarchie ist.
„Die verheerenden Folgen der Bevölkerungsexplosion, Armutsmigration, sich rasant beschleunigender Urbanisierung, ethnischer und religiöser Feindseligkeiten und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen wären nicht zu bewältigen, sollte auch noch das bestehende, auf Nationalstaaten basierende Grundgerüst rudimentärer geopolitischer Stabilität zu Bruch gehen.“
„Da Amerikas Gesellschaft in steigendem Maße multikulturelle Züge annimmt, dürfte, außer in Fällen einer wirklich massiven und unmittelbaren Bedrohung von außen ein Konsens über außenpolitische Fragen zunehmend schwerer herbeizuführen sein.
…Allgemeiner gesprochen, könnte auch ein kultureller Wandel in Amerika ein politisches Klima erzeugen, das einer weiteren Ausübung imperialer Macht abträglich ist.
…das kulturelle Leben steht mehr und mehr im Zeichen der Massenunterhaltung, in der persönlicher Hedonismus (=an momentanen Genüssen orientierte egoistische Lebenseinstellung) und gesellschaftlicher Eskapismus (=das Meiden und die Flucht aus der realen Welt in eine imaginäre und bessere Wirklichkeit) die Themen bestimmen. Aus all diesen Gründen wird es immer schwieriger, den notwendigen politischen Konsens über eine andauernde und gelegentlich auh kostspielige Führungsrolle der USA im Ausland herzustellen. Tonangebend in der Meinungsbildung sind die Massenmedien, die auf jeden noch so vorsichtigen Einsatz von Gewalt, selbst wenn er mit geringen Verlusten verbunden ist, mit Abscheu und Empörung reagieren.“

Anmerkung: Den noch vorhandenen kritischen und unabhängigen Medien muss es also richtig verkauft werden.

„Vor fast einem halben Jahrhundert äußerte der bekannte Historiker Hans Kohn (The Twentieth Century, New York, 1949, p.53) … dass der Westen erschöpft und verbraucht sei. Ja, er fürchtete, daß
>>der Mensch des 20. Jahrhunderts nicht mehr die Zuversicht hat, die seine Vorfahren im 19. Jahrhundert hatten. Er hat mit eigenen Augen die finsteren Mächte der Geschichte erlebt. Dinge, die der Vergangenheit anzugehören schienen, sind wieder aufgetaucht: religiöser Fanatismus, unfehlbare Führer, Sklaverei und Massaker, die Entwurzelung ganzer Völker, gnadenlose Härte und Barbarei.<<
Dieser Mangel an Zuversicht ist durch die weitverbreitete Enttäuschung über den Ausgang des Kalten Krieges noch verstärkt worden. Statt einer auf Konsens und Harmonie gegründeten >>neuen Weltordnung << sind ganz plötzlich Dinge, die der Vergangenheit anzugehören schienen, zur Zukunft geworden.


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