Wir sind in Mitteleuropa, ungefähr um 100 n. Chr. und das Ende der Keltenzeit beginnt.
Die Goten wanderten ein und um 350 brachen die zentralasiatischen Reiternomaden, die Hunnen, verwüstend in Europa ein und verursachten die Völkerwanderung.
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Glauben der Kelten. Er ist einer von mehreren Beiträge, die unter dem Titel „tri-ket-ra“ im Netz waren, nun jedoch nicht mehr verfügbar sind. Da die Seite interessant war, werden hier Kopien online gestellt, sofern es möglich ist.


In griechisch-römischen und christlichen und anderen Jenseitsvorstellungen sind die Toten an einen eindeutigen Ort gebunden und verbleiben dort.
Den Kelten war ein nach dem Tode auf ewig zugewiesenes Totenreich fremd. Das war die Folge des fehlenden Gedankens von Belohnung oder Strafe im Jenseits.

Für die Kelten gibt es nur große Zyklen (Jahreslauf, Lebenslauf etc.), denn Alles ist eine Abfolge von Übergängen. Ansatzweise ist die keltische Vorstellung in dem Epos „De bello covili“ des römischen Dichters Marcus Annaeus Lucanus zu erahnen. Er schreibt:“ Derselbe Atem regiert die Glieder in einer anderen Welt.“
Doch Vorsicht: Der Großteil der Aufzeichnungen über die Kelten stammt von den Siegermächten und diese sind daher als Feindpropaganda zu werten, denn noch nie berichteten Sieger wahrheitsgemäß über die Unterworfenen.
In diese Form der „Berichterstattung“ fallen die Blutopferrituale und der diesseitige Wiedergeburtsglaube. Mit diesen Darstellungen sollte der barbarische Charakter und der Irrglaube der Unterworfenen deutlich gemacht werden. Die überwiegend römischen, aber auch griechischen Geschichtsschreiber haben hier ein Feindbild entwickelt und gepflegt.

Zudem missionierten die Druiden nicht und absolvierten eine jahrzehntelange Ausbildung. Für verschiedene Formen des bestialischen Abschlachtens von Mensch und Tier ist eine viel kürzere Zeit ausreichend, wie die Siegermächte demonstrierten. Die missionierenden Religionen schrieben und schreiben ihre Geschichte mit Blut.
Die Keltengräber mit Kleidung, Schmuck, Waffen und Verpflegung für das jenseitige Leben sprechen für eine ganz andere Vorstellung von der Zeit nach dem Tod, als die Wiedergeburtslehre.

Im Glauben der Kelten kam der Mensch nach dem Tod in eine andere Ebene des Seins, in die Anderswelt. Dieser Ort ist eine Sphäre ohne Zeit und Raum. Die Anderswelt ist keine Hölle, denn bei den Kelten fehlte der moralische Gedanke. Folglich gibt es in ihrer Vorstellung auch kein Fegefeuer. Allerdings ist das Leben und Sterben auf der diesseitigen Seite sehr wichtig für die Art des Lebens in der Anderswelt. Lebensweise und Einstellungen mit Begriffen wie Wahrhaftigkeit, Ehre, Treue, Aufrichtigkeit usw. garantierten die Aufnahme in bevorzugte Orte wie Walhall, die Welt der Götter und Tapferen.

Die Unterweisungen und Lehren der Druiden sind nicht überliefert, da sie keine schriftlichen Aufzeichnungen anfertigten. Weder für ihre Schüler noch für das Volk. Alles wurde nur mündlich weiter gegeben, womit schon klar ist, dass Druiden ein ausgezeichnetes Gedächtnis hatten.
Als sicher kann gelten, dass die Druiden die Unsterblichkeit von Seele und Geist lehrten.
„Eine kleine Grube neben dem Toten enthält den für die Mahlzeiten im Jenseits nötigen Proviant…“ (Jacques Moreau „Die Welt der Kelten“, J.G.Cotta´sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart, 3.Auflage 1961, S.30)
Jeder Adelige hat eine Gefolgschaft und je größer die Macht um so größer die Gefolgschaft. Sie sind verbunden durch Bande persönlicher Natur und gegenseitiger Verpflichtungen: Die Großzügigkeit der Adeligen und die bedingungslose Treue der Gefolgschaft bis zum Tode und danach.
Im gleichen Werk findet sich auf den Seiten 57 die Darstellung eines Ritus. Poseidonius berichtet über eine Zeremonie, bei der ein Gefolgsmann unter Zeugen von seinem Schutzherren eine bestimmte Anzahl von Geschenken erhält und damit wird eine gegenseitige Verpflichtung begründet. Dann verteilt der Gefolgsmann diese unter seinen Freunden und Verwandten. Darauf legte er sich auf sein Schild und ihm wurde mit einem Dolch die Kehle durchschnitten.
Poseidonius hat das nicht verstanden, denn das bedeutete nicht, dass der Gefolgsmann sich auf diese Weise seinen Verpflichtungen entziehen wollte, sondern dass er im Jenseits diese Verpflichtungen befolgen würde.
Der Gefolgsmann gehört, da nach dem Tode die unsterbliche Seele mit dem Geist verbunden bleibt, nach dem Tode seines Herren zu dessen Gefolge im Jenseits.

Im Gegensatz zu anderen Vorstellungen, ist es diesseitigen Menschen möglich die Anderswelt zu betreten. Die keltische Anderswelt ist nicht irgendwo, sondern das ganze sichtbare Diesseits befindet sich inmitten der Anderswelt. Menschen können also gewollt oder ungewollt in die Anderswelt geraten. Die Bewohner der Anderswelt können aber auch in der diesseitigen Welt erscheinen, was sowohl Chancen als auch Gefahren bedeutet.

Orte des Zugangs sind insbesondere Feenhügel (z.B. die Neun Hügel bei Rambin in der westlichen Spitze der Insel Rügen), Hünengräber und Megalithbauwerke. Quellen, Brunnen, Flüsse, Erdspalten und Höhlen sind Tore in die Anderswelt.

Außer den bestimmten Orten, an denen es Verbindungen zwischen den Welten gibt, kannten die Kelten auch bestimmte Zeiten, an denen ein Übergang möglich ist.
Die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits ist besonders zu den hohen Festen durchlässiger also in der Nacht vor Samhain (1.November) oder Beltane (1.Mai).

Diese beiden Feste bilden mit Imbolc (1. Februar) und Lughnasadh (1. August) den keltischen Jahreslauf.

Marcus Annaeus Lucanus lebte zu einer Zeit, als bereits römische Kaiser wie Augustus, Tiberius und Claudius das Druidentum verboten hatten.
Seine Aussage ist zum Einen Gräuelpropaganda: Druiden praktizieren barbarische Riten und finstere Bräuche.
Aber er schreibt, wenn auch ohne sich die Mühe des Verstehens zu machen: Der Tod ist die Mitte eines langen Lebens, weil es ja in einer anderen Welt weiter geht.
Gaius Julius Cäsar schrieb in „De Bello Gallico“: Ihre Hauptlehre ist, die Seele sei nicht sterblich, sondern gehe von einem Körper nach dem Tod in einen anderen Körper über…“
Und dieser andere Körper befindet sich nicht im Diesseits.
Treffend ist die Information der mittelalterlichen Mönche auf den britischen Inseln, die in diesem Zusammenhang von der „jenseitigen Welt“ berichten.

Der Kontakt zwischen Diesseits und Jenseits ist zweigleisig. Damit sind auch die Informationen durchlässig. Unabhängig von der körperlichen Bewegung werden alle Gedanken aus dem Diesseits zu wohlverständlichen Botschaften und Bildern im Jenseits.

Das führt zu einem ganz anderen Verständnis alter Texte wie:

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“
Aus dem Talmud

„Denkt so, als ob jeder eurer Gedanken in Feuerschrift am Firmament eingeätzt würde, damit alle Wesen und jedes Ding sie sehen können – denn so ist es in Wahrheit.
Sprecht so, als ob die ganze Welt nur ein einziges Ohr wäre, das hören wollte, was ihr sagt – und so ist es in Wahrheit.
Handelt so, als ob jede Tat auf euch zurückfallen sollte – und so geschieht es in Wahrheit.
Verlangt so, als ob ihr selbst das Verlangen wäret – und das seid ihr in Wahrheit.
Lebt so, als ob Gott selbst euch nötig hätte, um sein Leben zu leben – und das hat er in Wahrheit.“
„Das Buch des Mirdad“ von Mikhail Naimy, Kapitel 9, Seite 87


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